2019-08-29Polit-Talk-GossauZH.pdf
(Einladung)

Marionna Schlatter-Schmid in Gossau

Die Kantonsrätin und Präsidentin der Grünen des Kantons Zürich kandidiert für den Ständerat. Dass sie den Deponiestandort Tägernau aus dem kantonalen Richtplan streichen will, macht sie zur wichtigen Politikerin für Gossau.

Zum Richtplan liegen im Kantonsrat zwei Anträge auf: der Grünen auf Streichung des Eintrags der Deponie Tägernau und der SVP auf Aufschub bis zum tatsächlichen Bedarf nach Auffüllen aller laufenden Deponien im Kanton. Die Behandlung des Geschäfts im Kantonsrat war für nach den Sommerferien vorgesehen. Zurzeit ist sie nach hinten verschoben worden bis allenfalls nach den Wahlen, doch sicher ist es nicht. Schlatter hofft auf die Behandlung vor den Wahlen.
Grüne Welle
Schlatter-Schmid beobachtete den Aufschwung der Grünen bei den Gemeindewahlen 2018. Die Grünen schafften die Sitze in die Stadt- und Gemeinderäte. Dass die Menschen sich ökologisch verhalten wollen, das zeigt schon lange das funktionierende Recycling in der Schweiz. Damit sie sich ökologisch verhalten können, muss die Politik die Regeln einführen, welche es auch ermöglichen. Marionna Schlatter-Schmid, Ständeratskandidatin, ist überzeugt: Mit mehr Grünen Mitgliedern wird die Bundesversammlung solche Regeln schaffen können.
Soziales
Umweltabgaben müssen Lenkungsabgaben sein. Das sind sie schon im bestehenden CO2-Gesetz, das revidiert wird; pro Kopf werden seit 2008 die so genannten Klimarappen, auch Öko-Bonus genannt, ausbezahlt. Warum? Die Bevölkerung braucht die Mittel, um die Kosten der Nachhaltigkeit stemmen zu können. Wenn nur Reiche sich Nachhaltigkeit leisten können, wie könnte diese sich genügend entfalten? Umwelt, Wirtschaft und Soziales gehören in der Grünen Partei zusammen.
Selbstbewusst
Wenn in allen Parteien vermehrt Nachhaltigkeit auszumachen ist und auch zunimmt, freut sie sich. An diesem Abend in Gossau ist für die Männer und Frauen am Polit-Talk im Gossauer Löwen wahrnehmbar, woher dieses Selbstbewusstsein kommt. Schlatters ökologisches und Nachhaltigkeits-Wissen gründet tief, im wörtlichen Sinn. In ihrem Aufwachsen und Werdegang wurzelt die Expertise in Pilzkunde. Sie ist Instruktorin der Schweizerischen Vereinigung der Pilzkontrolleure. Pilze sind Teil des Lebens im Boden. Andrea Hadorn-Stuker fragt, welche Landwirtschaft gemäss Weltklimarat verträglich sei, soeben ist sein Sonderbericht Landwirtschaft erschienen.
Landwirtschaft
Biologische Landwirtschaft erhält das Leben im Boden und den Ertrag pro Fläche. Intensive Viehwirtschaft hingegen bringt zu viel Stickstoff in den Boden. In der Schweiz sinken die Erträge pro Fläche seit den 90er Jahren. Dünger und Pestizide konnten das nicht aufhalten und auch den Boden nicht zum Leben erwecken. Deshalb trägt die Landwirtschaft heute zu den Treibhausgasemissionen 13 % bei. Nur ein lebendiger Boden ist nachhaltig fruchtbar und kann CO2 aufnehmen.
Kompromisse
Schlatter weiss, dass die Positionen der Grünen wohlbekannt sind und als sehr links gelten. Sie hält die Bekanntheit für einen Vorteil. Im Parlament werden mit mehr grünen Mitgliedern die ökologischen Themen diskutiert werden können, bis sie reif zur Annahme sind. Die meisten grünen Vorstösse der letzten Jahre wurden im Parlament diskutiert und abgelehnt, manchmal nur knapp. Da sie zu ihren Positionen stehe, hält sie Kompromisse für nichts Schlechtes. Es gehe ja darum, die gemeinsame Umsetzung von Zielen zu ermöglichen.
Fragen der Teilnehmenden
Die an den Talk anschliessende Fragerunde umfasste die Themen Gebäudesanierung, Einspeisevergütung für Solarstrom, Investitionen in Solarstrom bei öffentlichen Neubauten, die Schweizer Technologie zur Extraktion von CO2 aus der Luft und seiner unterirdischen Speicherung, das Klimawissen der Jugendlichen und ihr Einfluss auf ihre Familien bis hin zu den Grosseltern. Der Abend neigte sich zum Ende, das Gespräch hätte noch lange andauern können. Hadorn-Stuker, die selber auf der Grünen Liste für den Nationalrat kandidiert, überreicht der Ständeratskandidatin Blumen als Dank des Politischen Frauenpodiums Gossau, das diese Einladung ermöglicht hatte.
Andrea Hadorn-Stuker, Gossau ZH


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