Sehr geehrte Frauen, Liebe Mitglieder

2012 war ein Vereinsjahr mit nicht wenigen Veranstaltungen und geselligen Momenten, meist unter dem Motto „klein aber fein“. 2012 war auch ein sehr politisches Jahr, in dem spürbar wurde, dass das Frauenpodium Behördenverantwortung und andere Meinungen als eine Behörde hat.  Gleich zwei kontroverse Themen in der Bildungspolitik Gossau trafen mitten in die Kerngruppe. 

(1)    Die Petition für die Erhaltung der Einschulungsklasse, angeführt von Familie Marti und Nicole Bachmann, entwickelte sich zu einem Selbstläufer, der 400 Unterschriften bewirkte, auch von Frauenpodiumsmitgliedern. Die Schulbehörde führte in der Folge einen Informationsanlass zum Thema mit etwa 50 Teilnehmenden durch. Einen definitiven Entscheid wird die Schulbehörde im kommenden Schuljahr fällen.

(2)    Eine weitere Kontroverse betrifft das Tempo in der Entwicklung des familienergänzenden Betreuungsangebotes in Gossau. Diese ist die lokale Konkretisierung der  Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ermöglicht das Angebot in Gossau Planungssicherheit für Eltern? Ja, fand die Schulbehörde, nein, fanden die Eltern des Kiebitz Vereins und organisierten die gesetzlich nicht vorgeschriebene Ferienbetreuung von Schulkindern, auch ich als Vorstandsmitglied.

2012 haben die Kerngruppe und die Behördenfrauen begonnen, Grundlagen für einen Positionsbezug des Politischen Frauenpodiums zu erarbeiten: Was wird zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Gossau bereits getan? Welche weiteren Schritte sind nötig und möglich? Weitere Treffen finden 2013 statt. Sechs unserer sieben Behördenfrauen sind in ihrer Behörde indirekt in die Organisation von Betreuung involviert, da sind politische und pragmatische Schritte möglich.

Wenn ich sehe, dass beide Kontroversen zwischen Elternseite und Schulbehörde stattfinden, läutet bei mir eine Alarmglocke. Diese Kontroversen sind kein Zufall, sondern Ausdruck eines Mangels. Mit dieser Wortwohl möchte ich keine Schuld zuweisen. Der Mangel scheint mir aus den Zeiten der Primarschulpflege geerbt und seither wenig korrigiert zu sein. Für mich als Mitglied der Schulbehörde ist klar: Eltern sind Privatleute, ihre Ansprüche an die Schule sind individueller Natur. Doch dies ist nur die eine Seite. Eltern sind auch Öffentlichkeit; sie tragen und finanzieren die Schule wesentlich mit, vor allem in Gossau mit kleinem Gewerbeanteil an den Steuereinnahmen (89 % vs. 11 %). Dies ist die zweite Seite. Vergisst dies die Schulbehörde, dann sind wir als gewählte Leute nicht mehr glaubwürdig. Ich bin aber nicht bereit, die Glaubwürdigkeit des Politischen Frauenpodiums aufs Spiel zu setzen. Eltern müssen als Private und als Teil der Öffentlichkeit ernst genommen werden. Das Frauenpodium wird in diesem Jahr 2013 den Familien in den Behörden Gehör verschaffen müssen. Dies ist unser Weg, wenn Ihr uns heute (im übernächsten Traktandum) wählt.

Es folgt der Rückblick auf unser gemeinsames Vereinsjahr: Es fanden 11 Veranstaltungen statt, gegenüber 17 im Vorjahr. Es waren dies:

5. März: Mitgliederversammlung im Rest. Traube, Ottikon. Der Polithöck entfällt.

8. März: Frauentagfest der Zürcher Frauenzentrale mit dem Film „The Whistleblower“ zum Thema Frauenhandel und anschliessendem Podiumsgespräch unter der Leitung der Präsidentin Andrea Gisler im Papiersaal Sihlcity, Zürich, mit zwei organisiert reisenden und mindestens drei weiteren angetroffenen Mitgliedern des Frauenpodiums Gossau.

14. März: Literaturabend. Monica Cantieni liest aus ihrem Buch „Grünschnabel“ vor elf Frauen und Männern. Die Autorin signiert mehr verkaufte Bücher als Zuhörerinnen anwesend sind.

24. März: Besuch der Wanderausstellung „Verdingkinder reden“ in Zürich durch zwei Mitglieder, in einer Spontanunternehmung, lanciert an der Mitgliederversammlung.

4. April: Führung durchs Kriminalmuseum der Kantonspolizei Zürich.

22. Mai: Maibummel mit Gerda Esslinger, ihrem Wissen und ihren Geschichten zu Kräutern und Gewächsen und anschliessendem Nachtessen in der Linde, Grüt.

4. Juni: Polithöck vor der Gemeindeversammlung vom 18. Juni, im Restaurant Traube, Ottikon.

28. Juni: 10 Frauen und Männer besuchen in Winterthur Karls Kühne Gassenschau, „Schokoladenfabrik“, und hatten viel Spass an der lebhaften Inszenierung.

1. August: Zwei Mitglieder servieren an der Gemeindefeier in der Altrüti Getränke und Abendessen. Nach zwei verregneten Sommern weilen so wenige Gossauer Familien zu Hause, dass in der Altrüti mehr als die Hälfte der Plätze frei bleiben.

3. September: Der Polithöck fällt aus, da die Gemeindeversammlung vom 17. September abgesagt ist.

27. September: Gossauer  Behördenfrauen-Treffen im Restaurant Traube, Ottikon. Es nehmen ein knappes Dutzend Frauen teil, davon sechs aus dem Frauenpodium, sowie die Leiterin des Treffens, Lilian Lehmann.

Die für September angekündigte Weindegustation bei Eveline Heusser in Uster entfällt. Die Hege der Trauben vor der Ernte ging vor.

19. November: Polithöck vor der Gemeindeversammlung vom 26. November im Restaurant Traube, Ottikon.

14. Dezember: Der Jahresausklang findet wegen wenigen Anmeldungen mit acht Frauen bei Lilian statt.

Es ist eine Herausforderung, Veranstaltungen zu programmieren, die Interesse wecken und zur Teilnahme animieren, die aber auch zum Frauenpodium passen. Wir wollen dran bleiben. Auch die Mitgliederwerbung ist uns weiterhin wichtig. Zu den Polithöcks wollen wir das eine oder andere Behördenmitglied anderer Parteien einladen, wenn uns zu einem Sachgeschäft weitere Informationen interessieren.

Als Präsidentin konnte ich mich und uns auch vernetzen:

  • am 22. August, Führung der Kollektivmitglieder der Zürcher Frauenzentrale in den Fernsehstudios von SRF, mit Gespräch mit der Journalistin Andrea Vetsch vom Tagesschau-Team
  • am 24. November Teilnahme an der Tagung „Meinungsmacherinnen“ der Zürcher Frauenzentrale und sozio consult, mit Bundesrätin Doris Leuthard und Stadtpräsidentin Corinne Mauch, im Hauptgebäude der Universität Zürich. Drei weitere Mitglieder nahmen teil, eines organisierte es: Andrea Gisler. Die Tagung wird alle 2 Jahre durchgeführt.

Die Kerngruppe zum Schluss: Wir Mitglieder der Kerngruppe trafen uns viermal (Vorjahr siebenmal), und konnten damit unseren Aufwand ohne Wahljahr erwartungsgemäss reduzieren.

Ich nutze den ausnahmsweise selten gewordenen Augenblick , euch zu treffen, um euch vieren herzlich zu danken. Danke, danke, danke, danke.

 
Gossau, im März 2013, Andrea Hadorn-Stuker

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